Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, Geschäftspartnerinnen und Geschäftspartner, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
wo stehen wir in 15 Jahren? Wie wird sich unsere Welt geopolitisch verändert haben bis dahin? Werden wir in Mitteleuropa weiterhin Frieden haben? Wie wird sich der Klimawandel auswirken? Und werden wir es in Deutschland schaffen, unser Ziel zu erreichen: Klimaneutralität im Jahre 2045? Am ehesten zu beantworten ist die letzte Frage. Ja, das können wir schaffen!
Beim Strom hat Deutschland seine Ziele im EE-Ausbau in den beiden zurückliegenden Jahren schon erreicht und jeweils mehr als die Hälfte unserer Elektrizität aus Sonne, Wind, Wasser oder Biomasse erzeugt. Nichts deutet derzeit darauf hin, dass dieser Trend sich wieder umkehren könnte. Im Gegenteil: Allein die Prognosen zum Photovoltaikausbau werden von der Wirklichkeit jedes Jahr aufs Neue deutlich übertroffen. Der Wandel ist in vollem Gange.
Das zeigen auch andere Entwicklungen. Immer mehr Menschen reduzieren ihren Fleischverbrauch. Das ist gut für unsere CO₂-Bilanz. Genauso wie die Tatsache, dass immer mehr Menschen mit der Bahn fahren oder sich für ein Elektroauto entscheiden. Auch die Nachfrage nach Wärmepumpen steigt langsam, nachdem die Skepsis zunächst groß war. Am Ende aber verstehen immer mehr Menschen: Die Abkehr von Öl und Gas zahlt sich nicht nur für die Umwelt aus, sondern auch für das eigene Portemonnaie.
Sicher: Vieles müsste schneller gehen. Und noch immer werden Fortschritte bei der Reduktion von CO₂-Emissionen in einer Region der Welt konterkariert durch Rückschritte an einem anderen Ort. Aber ist das wirklich ein valides Argument gegen eigene Bemühungen? Auch als ehrliche Steuerzahler leisten wir unseren Beitrag unabhängig von der Frage, ob andere es genauso halten. Wer es nicht tut, kann sich vor Gericht jedenfalls nicht mit Verweis auf die verfehlte Praxis anderer rechtfertigen. Dasselbe Prinzip gilt auch im globalen Streben nach Klimaneutralität.
Und es zahlt sich aus, wie ein Rückblick auf die jüngere Geschichte von ENTEGA beweist. Als ich 2013 zur damaligen HSE AG kam, aus der zwei Jahre später die ENTEGA AG wurde, erzielte das Unternehmen einen Umsatz von knapp zwei Milliarden Euro. Die Gewinne bewegten sich damals – sofern vorhanden – im einstelligen Millionenbereich und kletterten später auf Werte um die 20 Millionen. Im zurückliegenden Jahr hat ENTEGA 48 Millionen Euro Gewinn erzielt und den Umsatz gegenüber damals um rund 50 Prozent gesteigert – bei in etwa konstanter Mitarbeiterzahl. Das zeigt: Die Energiewende ist auch ökonomisch ein Erfolgsmodell.
Wenn ich am Ende des laufenden Geschäftsjahres die Führung des Unternehmens an meinen heutigen Vorstandskollegen Thomas Schmidt übergebe, dann zeigt der Blick in den Rückspiegel: Unser Weg war richtig. Insbesondere die klare Entscheidung für erneuerbare Energie war richtig. Sie kann – Schritt für Schritt – die fossilen Energieträger ersetzen. So gibt es schon seit 2021 in unserem Strommix keine einzige Kilowattstunde Kohlestrom mehr. Bis zum Jahr 2030 werden wir 1,2 Millionen Megawattstunden Ökostrom jährlich erzeugen. Spätestens dann wollen wir den gesamten privaten Strombedarf der Region aus Erneuerbaren decken.
Dazu ertüchtigen wir fortlaufend unsere Netze und errichten jedes Jahr neue Wind- und Solarparks – mit einem Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Euro bis 2028. Alles in allem haben wir seit meinem Amtsantritt 2013 in mehr als 300 Megawatt installierte Leistung OnshoreWind, OffshoreWind wie auch in die Solarenergie investiert. Mit diesem Erzeugungsportfolio konnten im Jahr 2024 mehr als 500.000 Tonnen CO₂-Emissionen in der Stromerzeugung vermieden werden.
Das ist eine stolze Bilanz. Aber wir wissen auch: Es bleibt noch viel zu tun. Insbesondere an der Dekarbonisierung der Wärmeversorgung arbeiten wir mit Hochdruck und unterstützen dafür insbesondere die Kommunen in Sachen Klimaschutz.
Denn: Bis 2045 wollen wir als ENTEGA AG komplett klimaneutral sein. Damit das gelingt, müssen wir nicht nur in der regenerativen Erzeugung von Strom und Wärme weiter vorankommen, sondern auch beim Thema Digitalisierung noch stärker beschleunigen. Die stärker dezentral organisierte Welt der erneuerbaren Energien verlangt ein ausgeklügeltes Netzmanagement, bei dem volatile Produktion und schwankende Nachfrage flexibel aufeinander abgestimmt werden müssen.
Auch dafür haben wir bei ENTEGA in den zurückliegenden Jahren die Weichen gestellt und das Unternehmen zum Infrastrukturdienstleister entwickelt. Als wir vor der Wahl standen, das Telekommunikationsgeschäft der Medianet zu verkaufen, haben wir uns dagegen entschieden. Was folgte, war harte Arbeit der Kollegen in der Medianet und bei ENTEGA Plus. Über 1.800 Kilometer Glasfaserkabel wurden von ENTEGA allein in den vergangenen fünf Jahren in der Region Südhessen verlegt. Allein für den weiteren Ausbau bis 2029 investieren wir mehr als 300 Millionen Euro. Gleichzeitig positionieren wir uns mit Erfolg in den Bereichen IT und Telekommunikation und kümmern uns weiterhin um klassische Themen der Daseinsvorsorge wie das Wasser- und Abwassermanagement oder die Müllverbrennung.
Diesen Weg geht ENTEGA auch in Zukunft weiter. Über 2.200 Beschäftigte arbeiten dafür Tag für Tag in engagierten Teams. Kompetent, flexibel und kundenorientiert. Damit legen sie den Grundstein für unser Engagement in der nachhaltigen Energieversorgung, aber auch darüber hinaus. Mit der ENTEGA Stiftung, dem ENTEGA NATURpur Institut und unserem Sponsoring fördern wir den ökologischen Umbau und das gesellschaftliche Engagement.
Nur ein starkes Unternehmen kann die notwendigen Investitionen für den Umbau des Energiesystems stemmen und gleichzeitig gesellschaftliche Leistungen erbringen“
All dies ist nur möglich, weil wir erfolgreich wirtschaften und eine zukunftsfähige Strategie besitzen. Denn: Nur ein starkes Unternehmen kann die notwendigen Investitionen für den Umbau des Energiesystems stemmen und gleichzeitig gesellschaftliche Leistungen erbringen.
Dabei ist klar: Nicht alles, was die Zukunft an Aufgaben bereithält, wird ENTEGA alleine meistern können. Sicher aber ist: Den eigenen Anteil wird das Unternehmen auch weiterhin leisten und das bleiben, was es seit 2015 laut Urteil des TÜV Süd ist: ein Wegbereiter der Energiewende in Deutschland. Ich wünsche dafür allen Mitarbeitenden und dem Vorstand eine glückliche Hand sowie zuverlässige Partner in Politik und Gesellschaft.
Dr. Marie-Luise Wolff
Vorsitzende des Vorstandes